Angela Merkel has won the elections brilliantly, but there is no room for concessions when rescuing the euro

26/09/2013

Florian Eder is EU correspondent for the newspaper Die Welt in Brussels

(Translated by Estefanía Pipino)


German Chancellor Angela Merkel has won a brilliant victory. The Christian-conservative parties CDU and CSU have only stayed a handful of deputies away from having the majority in the Bundestag. However, the electoral law reduces this result to a lower category, because it forces the winner to form a coalition. From a European perspective it is of little importance with whom she will form government: nothing will change in European policy and the euro, Merkel stated. You can trust her.

For the Greens, union with the Conservatives is a taboo. The bad election result is not going to change this: Green voters still want their party to make a turn to the left. Even if they were in government, they would be too weak to alter the policies on Europe. By contrast, a large coalition of the CDU and the SPD could significantly reduce Merkel's power in favour of social democracy.

Yet the situation would hardly change: in the opposition, the SPD voted with the government on the agreements to the euro bailout. They have thus established the European Stability Mechanism (ESM), approved the package to aid Greece and rescue Cyprus. During the election campaign they appealed more clearly than Merkel to Germany's responsibility with regard to the countries in problems. Do we need eurobonds or joint debt issues? None--the Chancellor said--thereby making the last hurdle clear. The SPD defended several stances in the past, which were ultimately not included in Merkel's line.

Merkel, however, does not tell the Germans where exactly that line is or how will pending decisions be made: Will Greece receive more aid? How will the EU establish the forecasts after the necessary recapitalisation of banks? Therefore, citizens must rely on a golden rule of europolitics: the German taxpayer money would flow to other EU countries only if the receiver were to relinquish sovereignty in return. However, the triumphantly reelected Chancellor has not left much room for further concessions, and that's the real reason why europolitics will not vary excessively.

From the right comes euroscepticism, self-proclaimed as "Alternative for Germany" (AFD), a party of professors whose academic pedantry and populism has led them to the gates of the Bundestag. Merkel's respect increases the chances of AfD really damaging her next time. But maybe that would be too heavy a load for Germany, and a German anti-European party would only have serious effects for Europe. Secondly, the Constitutional Court oversees the budgetary sovereignty of the Parliament and it is often more thorough than its own MPs.

Therefore, the most exciting date for German europolitics in the coming weeks will not take place in Berlin but in Karlsruhe: when the court decides on the debt-buying program of the European Central Bank.

 


Angela Merkel hat fulminant die Wahl gewonnen – aber nicht viel Spielraum für Zugeständnisse in der Euro-Rettung


Die Deutschen bescherten Bundeskanzlerin Angela Merkel einen fulminanten Sieg. Den christlich-konservativen Parteien CDU und CSU fehlt im Bundestag nur eine Handvoll Abgeordnete zur absoluten Mehrheit. Das Wahlrecht aber stutzt dieses Ergebnis auf kleineres Maß, denn: Es zwingt die Siegerin in eine Koalition. Mit wem sie eine Regierung bildet, ist, aus europäischer Sicht, allerdings wenig entscheidend: An der Europa- und Europolitik werde sich nichts ändern, kündigte Merkel an. Man kann es ihr glauben.

Für die Grünen stellt ein Zusammengehen mit den Konservativen ein Tabu dar. Das schlechte Wahlergebnis lädt nicht dazu ein, es zu brechen: Verblieben sind den Grünen am ehesten die Wähler, die die Partei auf einem Linkskurs sehen wollen. Selbst wenn, die Grünen wären in der Regierung zu schwach, um am Euro-Kurs zu rütteln. In einer großen Koalition aus Union und SPD hingegen, der Sozialdemokratie also, wäre Merkels Macht deutlich kleiner.

Und doch würde sich wenig ändern: Die SPD hat in der Opposition in jeder einschlägigen Abstimmung zur Euro-Rettung mit der Regierung gestimmt. Sie hat den Rettungsfonds ESM mit eingeführt, Griechenland-Pakete gebilligt, Zypern gerettet. Im Wahlkampf appellierte sie dann deutlicher als Merkel an die Verantwortung Deutschlands für Länder in Schwierigkeiten. Braucht es Euro-Bonds oder einen Altschuldenfonds? Nein, sagt die Kanzlerin, und es ist ihr offenbar letztes Tabu. Die SPD vertrat in der Vergangenheit schon zu diverse Positionen, als dass sie am Ende nicht wieder auf Merkel-Linie zu bringen wäre.

Merkel allerdings lässt die Deutschen im Unklaren darüber, wo diese Linie genau verläuft, wie sie zu konkret anstehenden Entscheidungen steht: Bekommt Griechenland ein weiteres Mal Hilfe? In welchem Maße kommt die EU für die aller Voraussicht nach nötige erneute Rekapitalisierung von Banken auf? So müssen Bürger ihr Vertrauen in die Euro-Politik auf eine Faustformel stützen: Wenn deutsches Steuerzahlergeld über die EU in andere Länder fließt, dann nur, wenn die Empfänger im Gegenzug Souveränität abgeben. Viel Spielraum für weitere Zugeständnisse hat allerdings selbst die triumphal wiedergewählte Bundeskanzlerin nicht, und das ist der eigentliche Grund, warum sich an der Euro-Politik nicht viel ändern wird.

Von rechts kommt die Euro-kritische, selbst ernannte „Alternative für Deutschland“ (AfD), eine Professoren-Partei, deren so akademische wie populistische Besserwisserei sie bis knapp vor die Tür des Bundestags führte. Knickt Merkel ein, dann steigen die Chancen der AfD, ihr beim nächsten Mal tatsächlich wehzutun. Das wäre für Deutschland vielleicht sogar zu verkraften, für Europa aber hieße eine ernstzunehmende Anti-Euro-Protestpartei in Deutschland nur Schlechtes. Zweitens: Das Bundesverfassungsgericht wacht über die Budgethoheit des Parlaments und nimmt es damit gelegentlich genauer als die Abgeordneten selbst.

Der spannendste Termin zur deutschen Euro-Politik findet daher in den kommenden Wochen nicht in Berlin statt, sondern in Karlsruhe: Wenn das Gericht über das Programm der Europäischen Zentralbank zum Aufkauf von Staatsanleihen entscheidet.